Tatjana Servais » Fotografin, Fotojournalistin, Fotokünstlerin aus Düsseldorf - Tatjana Servais

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Der Blog oder Warum blogge ich?

Der Blog ist los oder warum blogge ich?

Inspiriert von zwei Zitaten der Literatur-Nobelpreisträgerin Herta Müller habe ich Überlegungen zum Thema Schreiben und Bloggen angestellt. Warum Schreiben wir? Gibt es tiefere Gründe? Was unterscheidet das Schreiben heute und gestern? Sind Blogger eigentlich einsam?

„Ich habe mir nie vorgenommen zu schreiben. Ich habe damit angefangen, als ich mir nicht anders zu helfen wusste.“ Herta Müller, Literatur-Nobelpreisträgerin 2009

Quelle: FOCUS

„Ich glaube, Schreiben hat vielleicht auch damit zu tun, dass man total Angst hat vor der Einsamkeit“ Herta Müller, Literatur-Nobelpreisträgerin 2009

Quelle: FOCUS

Mein erster Blog. Wie hat das alles angefangen?

Ich habe immer schon gerne geschrieben. Angefangen mit den obligatorischen Tagebüchern, dann habe ich meine diversen Brieffreundschaften gepflegt. Ja noch so richtig mit handgeschriebenen Briefen, verziert mit Herzchen oder auch Aufklebern. Als Mädchen hatte man in meiner Generation auch noch Glanzbildchen oder anderen Schnickschnack mit denen man seine Briefe verschönern konnte – Kitsch pur ;-). Heute sind das wohl vereinfacht die Smileys oder andere Bildchen, die man seinen SMS, Whats App oder Emails hinzufügt.
Meine Briefe oder Tagebucheinträge konnten auch mal über mehrere Seiten gehen. Beidseitig beschrieben, versteht sich! Heute nutzt man ein Paar Twitter oder SMS Zeilen und kürzt mit ROFL und LOL ab.

Gründe für das Schreiben und andere Überlegungen

Nachdem ich die Zitate von Herta Müller gelesen hatte, habe ich mich gefragt warum ich mit dem Schreiben angefangen habe. Ich denke die beiden Zitate kann ich weitestgehend für mich übernehmen. Als Kind habe ich sicher angefangen die Dinge in mein Tagebuch zu schreiben, die ich sonst niemandem mitteilen konnte oder wollte. Einsame Momente, traurige Erlebnisse und viele aufregende, fröhliche Augenblicke haben ihren Weg in meine Tagebücher oder Briefe gefunden. Wenn ich mich einsam oder unverstanden fühlte war das Tagebuch oder die Brieffreundin immer da. Na gut aus dem Alter bin ich dann wohl irgendwann herausgewachsen und habe damit aufgehört. Um herauszufinden wann, müsste ich mich durch die Karton-Berge in unserem Keller. Dies würde wohl der Besteigung des Mount Everest gleichen, also lasse ich es lieber bleiben ;-).
Heute gehen die Kids wohl unter Pseudonym in einen Internet Chat oder posten eine Frage auf einer der vielen Seiten im www um mehr oder weniger gute Ratschläge von Fremden einzuholen.

Erste Schritte im www vergleichbar einem Hausbau

Jetzt stellt sich mir die Frage warum ich mit dem Bloggen angefangen habe. Meine erste Homepage mit Reisefotografien unter www.reisefotografien.de kann wohl als mein erster Blog bezeichnet werden. Damals noch geboren aus meiner Leidenschaft für Reisen und Fotografie und meiner Berufung als Reiseverkehrskauffrau habe ich dort Reiseberichte und Fotografien „gebloggt“. Natürlich nicht in kurzen Abständen, sondern noch sehr aufwändig. Jede Seite selbst in HTML gebaut. Das würde ich heute mit einem Hausbau vergleichen. Fundament giessen, Stein auf Stein bauen, Fenster, Türen und das Dach oben drauf. Dann geht es an die Detailarbeit mit der Auswahl der Fliesen für das Bad, die Armaturen, das Parkett oder doch eher Teppichboden? Man verzweifelt, ist frustriert und am Ende, wenn das Haus fertig ist, freut man sich wie ein Kleinkind über einen Tisch voller Geburtstagsgeschenke. Grosse Kulleraugen und ein breites Grinsen inklusive.
Mein Homepage-Bau glich damals wohl eher einem Neubau, der immer wieder abgerissen und neu aufgebaut wurde. Ein Anbau musste her, dann eine Terasse. Dann doch wieder andere Fliesen auf der Terrasse usw. . Die Abrissbirne hing ständig darüber und hat in unregelmässigen Abständen immer wieder zugeschlagen.
Heute geht der Aufbau einer neuen Homepage dank WordPress fix, wenn man sich einmal eingearbeitet hat, aber die Anfänge waren da echt aufwändig und zeitraubend.

Schneller, professioneller und anstrengender

Facebook war dann die erste Begegnung mit „Bloggen“ im Miniatur Format. Das war schnell aber auch sehr zeitintensiv, da man ja auch immer am Leser bleiben musste. Nicht nur selbst schreiben, sondern auch viel lesen um entsprechend viel interessanten Output zu akquirieren. Viele nutzen diese Art des Bloggens um der Einsamkeit zu entfliehen. Ich denke das kann man of auch daran erkennen wenn auf Facebook jede Minute des täglichen Ablaufs mitgeteilt werden muss. Daher kommt wohl auch der Spruch: Bist Du auf Facebook oder hast Du auch Freunde? Ich sehe Facebook eher als Zusatz zum lebendigen Freundeskreis und als Bereicherung im Gedankenaustausch. Es ist toll das man mit Freunden Intensiven Kontakt halten kann die nicht im unmittelbaren Umfeld leben und durch Facebook an ihrem Leben dennoch teilhaben kann.

Ein Blog nur mit Bildern? Schreiben? Ein Prozess kommt in Gang…

Professioneller ging es dann weiter mit meinem Blog unter www.fdts.de, der aber eher durch Bildmaterial gefüllt wurde. Macht ja bei der Repräsentanz einer Fotografin auch Sinn ;-). Ein ganz neuer Relaunch, ein neues Konzept musste her. Mit der Zeit habe ich gemerkt das mir die Fotografie alleine nicht genug ist. So habe ich wieder mit dem Schreiben angefangen. Ich wollte erst allein bei den Themen bleiben, die ich als meine Expertenthemen sehen würde, Fotografie und Reisen. Das Reisen ist im Moment eher schwierig aufgrund meiner familiären Situation mit 2 kleinen Kindern. Und aus der Vergangenheit wollte ich nicht ständig schöpfen. Der Bereich Fotografie und Foto Gadgets ist schon sehr breit getreten. Das überlasse ich dann lieber den Kollegen, die sich etabliert haben. Das alleine konnte es dann also auch nicht sein.

Der Mix macht’s

Also dachte ich mir es sollte vielleicht ein Themen-Mix werden. Im Moment will ich mich nicht auf ein Thema festlegen. Ich schreibe was mich bewegt, über Dinge die ich erlebt, ausprobiert oder getestet habe. Und die für den ein oder anderen hoffentlich einen Mehrwert haben. Oder zumindest eine kurzweilige Unterhaltung, ein Schmunzeln oder Nachdenken erzeugen. Ich stelle mir meine Leser vor, wie sie schmunzelnd in der Bahn sitzen, nachdenklich auf dem Sofa, lachend im Freibad oder sich in einer Pause am Schreibtisch im Büro von einem meiner Themen vom täglichen Stress kurz ablenken lässt. Ich freue mich zu sehen wie meine Ideen weitergegeben und diskutiert werden. Es ist schön zu hören was meine Leser für eigene Erfahrungen gemacht haben und ob sie eine ähnliche oder ganz andere Meinungen zu meinen Themen haben.

Mein Fazit:

Ich schreibe heute weil es mir einfach Spass macht. Frauen haben ja bekanntlich eh mehr Worte am Tag, die sie loswerden möchten ;-). Und ich schreibe natürlich weil ich mich über das Feedback der Leser freue. Ich freue mich wenn man mir schreibt, positive oder negative Anmerkungen macht, und wenn man meine Gedanken mit anderen teilt. Das ist für mich vergleichbar mit der Freude meines Kunden, aus der Zeit in der Reisebranche, der mir nach seinem Urlaub mit glänzenden Augen von seiner durch mich geplanten Reise erzählt. Es ist dasselbe Gefühl, das ich habe, wenn ein Kunde mit Begeisterung in seinem Gesicht vor meinen Bildern sitzt und sich über meine fertigen Arbeiten freut. Man kann es aber auch mit den Momenten vergleichen in denen ich feststelle was ich für tolle Kinder habe. Stolz und Freude über das Geschaffene.

Kennt Ihr das auch?!

Schreibt Ihr? Tagebuch, Briefe, Blog? Habt Ihr nur früher geschrieben oder auch noch heute? Warum schreibt Ihr? Wenn Ihr nicht schreibt: Woran liegt es? Keine Zeit? Keine Lust?