Tatjana Servais » Fotografin, Fotojournalistin, Fotokünstlerin aus Düsseldorf - Tatjana Servais

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Ratinger Straße Düsseldorf – Teil 1

Die Ratinger Straße – Das Herz Düsseldorfs oder der Anfang

Ratinger Tor - Düsseldorf

Ein Teil des Ratinger Tores in Düsseldorf

Die Ratinger Straße in Düsseldorf ist die geheime Partymeile der Düsseldorfer. OK, nicht mehr so geheim, denn mittlerweile tummeln sich auch hier vermehrt Touristen und Jungesellen-Abschiede. Immerhin noch weniger als auf der Bolker Strasse oder Kurze Strasse. Trotzdem befindet man sich, vor allem am obligatorischen Mittwoch, meist noch unter Düsseldorfern – Jung und Alt. Der Bereich auf Höhe des Füchschens bis zur Uel, mit dem Ohme Jupp und dem Schlösser Quartier Bohème auf der gegenüberliegenden Seite wird auch Bermuda-Dreieck genannt weil man hier so schön abstürzen kann. Hier ist der zentrale Feier-Kern. Bei schönen Wetter ist dann nicht nur der Bürgersteig gut gefüllt, sondern auch die Straße…ganz besonders am Mittwoch. Mit Altbier oder je nach Gusto anderen Getränken in der Hand trifft man alte Freunde oder lernt neue Freunde kennen…ganz klassisch rheinische Kommunikation.

Was der ein oder andere aber nicht weiß

Die Ratinger Straße ist eine der ältesten Straßen in Düsseldorf und stammt schon aus dem 14. Jahrhundert. Die Straße mit dem Namen „Altestadt“, die ab Liefergasse bis zur Heinrich-Heine-Allee heute Ratinger Straße heißt, hat schon viel erlebt. Der Name Ratinger Straße wird erst seit 1738 ab Kreuzherrenkirche benutzt.

Düsseldorf war in seinen Anfangszeiten (Stadtgründung 1288), wie der Name schon sagt ein Dorf, eine Ansammlung von Häusern mit einem Schutzwall und nicht die Stadt die es heute ist. Hier entstand nicht nur das erste Hospital als Herberge und zur Betreuung kranker Pilger, die zur Marienkapelle (heute Kreuzherrenkirche) pilgerten, sondern auch das erste Bürgerhaus (Rathaus) Düsseldorfs.

Wilhelm Schreuer, Das alte Ratinger Tor (Düsseldorf)

Ein undatiertes Bild von Wilhelm Schreuer (gest. 1913), das das den Blick von der Ratinger Straße zum alten Ratinger Tor abbildet. Links die alte Mühle an der Mühlengasse. (Quelle: Wikipdia)

De Retematäng

Schon mein Großvater und mein Vater haben sich in Ihrer Jugend auf „Der Ratinger“, wie man als Einheimischer so sagt (Düsseldorfer Platt: „De Retematäng“), herumgetrieben und Geschichten von Unterweltlern und Drogenumschlagplätzen zu Ihrer Zeit erzählt. Meine frühen Erinnerungen sind allerdings schöne Abende mit Freunden auf der Ratinger Straße stehend, und natürlich trinkend, und Abende im „Ratinger Hof“. Die Ratinger Straße war schon immer ein Treffpunkt unterschiedlicher Institutionen und Milieus sei es die Kirche, Räuberbanden oder das junge Volk, das einfach Spaß haben will.

Die Herleitung des Namens auf Düsseldorfer Platt „De Retematäng“ ist nicht ganz gesichert. Es gibt verschiedene Geschichten. Eine besagt das Napoleon 1811 morgens durch das Ratinger Tor in die Stadt ritt und erstaunt war viele offene Gaststätten am frühen morgen vorzufinden. So nannte er die Straße „Rue de Martin“ (Straße des Morgens). Die, der französischen Sprache nicht mächtigen, Düsseldorfer verstanden „Rue de Matäng“ und von da an sagte man „De Retematäng“. Mir gefällt die Geschichte ob sie stimmt oder nicht!

Die Ratinger Strasse ist nach dem benachbarten Ort Ratingen benannt.

Düsseldorf, Ratinger Tor

Das Ratinger Tor um 1840 (Quelle:Wikipedia)

Ratinger Tor - Düsseldorf

Ein Teil vom Ratinger Tor in Düsseldorf

Bereits 1276 wurde Ratingen durch Graf Adolf V. zur Stadt erhoben – Sie ist also zwölf Jahre älter als Düsseldorf. Die Ratinger Straße führte einst als Handels- und Verkehrsweg durch das alte Stadttor, das zwischen Mühlengasse und Ratinger Mauer stand nach Ratingen.

Das Ratinger Tor

Ältere Forschungen belegen das es ein „Ratinger Tor“ schon seit 1348 gibt, allerdings gibt es hierzu keine bildlichen Darstellungen. Es soll „ein viereckiger Tor Turm mit einem zweigeschossigen Aufbau über dem gotischen Torbogen“ (Quelle: Landeshauptstadt Düsseldorf) gewesen sein. Das heutige Ratinger Tor entstand in der Zeit als Napoleon Düsseldorf zur Hauptstadt des Großherzogtums Berg erhob, in den Jahren 1811 bis 1815 von Adolph von Vagedes. Ursprünglich waren 4 Bauwerke dieser Art geplant, aber es wurde nur ein zweites Tor an der Elberfelder Straße errichtet, das um 1860 wieder abgerissen wurde. Das heutige Ratinger Tor besteht aus 2 Gebäuden, die jeweils auf einer Seite der Maximilian-Weyhe-Allee direkt an der Heinrich-Heine-Allee mit Blick Richtung Ratinger Straße stehen.

Das Ratinger Tor - Düsseldorf

Das Ratinger Tor (2015) mit Blick auf das Parkhaus an der Ecke die Ratinger Straße

Das Parkhaus

An der Stelle an der heute ein eher hässliches Parkhaus direkt Ratinger Strasse/Ecke Heinrich-Heine-Allee steht, stand früher eine Villa, die Villa New York genannt wurde. Im Buch „Steine Sprechen“ (siehe Literatur) sind ein Paar der gruseligen Geschichten, über einen Tiger der im Garten der Villa einen Menschen zerrisen haben soll, von schwarzen Messen oder Geheimbündlern, die im Hause ein und aus gegangen seien sollen, zusammengefasst. Tatsache ist wohl nur das der Hausherr Kommerzienrat Scheidt durch Handel zu seinem Vermögen gekommen ist und tatsächlich exotische Tiere auf seinem Grundstück hielt. Er hatte durch eine großzügige Spende an den Tierschutzvereines Fauna einen wesentlichen Anteil an der Erhaltung und der Gründung des Zoologischen Garten Düsseldorf unserem heutigen Zoopark.

Die Ratinger Mauer

Die Ratinger Mauer

Die Ratinger Mauer (2015)

Die Ratinger Mauer ist eine kleine Sackgasse, die bis zur Rückseite der Kunstsammlung NRW führt. Hier verlief im 14. Jahrhundert die Stadtgrenze Düsseldorfs und Ende 17. Jh./Anfang 18.Jh. trieben hier Räuberbanden ihr Unwesen. An der Ecke zur Ratinger Strasse gab es die Gaststätte Paffrath, die diesen angeblich als Treffpunkt diente. Heute findet man in der Strasse den Eingang zur „Mauer“ einen Club, der schon in den 80er/90er Jahren bei feierfreudigen beliebt war. Auf der gegenüber liegenden Seite verläuft die frühere Stadtgrenze. Hier gab es einige kleine Häuser in denen hauptsächlich arme Handwerker wohnten. Es gibt weiter hinten – Richtung Kunstsammlung NRW – noch einen kleinen Teil der ursprünglichen Mauer, der erhalten geblieben ist.

Alte Mauer

„Et Möhlejäßke“ oder Mühlengasse

Schild MühlengasseGenau gegenüber der Ratinger Mauer liegt die Mühlengasse. Schaut man von der Ratinger Straße hinein sieht man am Ende die Kunstakademie Düsseldorf. Das Eckhaus der Mühlengasse, auf dem Bild unten rechts, ist neueren Baudatums. Früher soll an dieser Stelle eine Mühle gestanden haben. Bei meiner Recherche habe ich die Abbildungen eines Gemäldes von Wilhem Schreuer gefunden auf das man sich hier wohl auch bezieht (siehe oben). Es gibt in der Mühlengasse 2 Gebäude , die nach alten Vorgaben restauriert bzw. neu aufgebaut wurden.

Mühlengasse

Blick von der Ratinger Straße in die Mühlegasse. Am Ende ist die Kunstakademie zu erkennen.

Diese befinden sich auf der rechten Seite der Mühlengasse (wenn man von der Ratinger Straße kommt). Auf dem Foto unten stehen an den beiden Häusern mit den grünen Fensterläden erkennbar die Jahreszahlen 1694. Laut Stadtarchiv sind es aber nicht wirklich die alten Gebäude. Diese wurden abgerissen und 1988 vom neuen Besitzer, der Pfarrgemeinde St. Lambertus nach Auflagen der Denkmalpflege wiedererrichtet. Früher eine richtige kleine Gasse, wurde die Mühlengasse zu der Zeit dann auch als Fußgängerzone ausgebaut.

Mühlengasse in Düsseldorf

Was lernt man im Füchschen?

Zum Füchschen auf der Ratinger Strasse - Düsseldorf

Zum Füchschen auf der Ratinger Straße (2015)

Das Grundstück Nummer 28 ist mindestens seit 1640 unter dem Namen „Im Füchschen“ bekannt. Heute ist das Füchschen ganz klar eine Schule fürs Leben ;-), aber bis ca. 1812 gab es wohl im Hause Ratinger Straße 28 sogar eine Privatschule für Bürgerskinder. Die allgemeine Schulpflicht wurde erst später eingeführt und bis dahin konnten Bürger dort und in anderen Privatschulen ihre Kinder in Rechnen, Schreiben und Lesen unterrichten lassen.

Auf der Ratinger Straße gab es viele Häuser mit ausgefallenen Namen. Das Gebäude neben dem alten „Im Füchschen“ hieß früher „Zur blauen Hand“ und wurde dann zur Gaststätte „Zum Bären und später „Zum jungen Bären“. Heute gehören beide Gebäude zusammen und auf der Rückseite dehnt sich das Füchschen bis zur Ritterstraße aus. Vor der heute bei Jung und Alt beliebte Brauerei und Gaststätte im Füchschen stehen im Sommer und im Winter Jung und Alt zusammen bei einem Altbier. Schon früh wurde hier Altbier gebraut, aber erst seit 1848 wurde es unter dem Namen „Füchschen Alt“ vertrieben. Seit 1908 ist die Brauerei in der Hand der Familie König. Zuerst von Theodor und Louise König und nach dem 1. Weltkrieg von den Gebrüdern König als Erbengemeinschaft. Im 2. Weltkrieg wurde die Brauerei zerstört, dann aber 1950 zum Füchschen  und von Peter „Pitter“ König und seiner Ehefrau wieder betrieben und zu einem Treffpunkt für verschiedene Bereiche -Wirtschaft und Kultur. Damals gingen hier Gustaf Gründgens oder auch Joseph Beuys ein und aus. Seit 1972, nach dem Tode „Pitter“ König’s, wurde die Geschäftsführung mittlerweile in vierter Generation an den 3. Peter König in Folge übergeben und ist definitiv eine der bekanntesten Hausbrauereien in Düsseldorf und über die Stadtgrenzen hinaus.

Das ist nicht alles was ich zum Thema Ratinger Straße gefunden habe, aber irgendwo muss ich anfangen. Da ich nicht will das der Artikel zu einem kleinen Buch wird ende ich heute erst einmal hier. Im 2. Teil geht es weiter mit dem Goldenen Einhorn, dem „Ohme Jupp“, der Brauerei zur Uel, uvm.!

Eigentlich wollte ich nur ein Paar Bücher mit alten Düsseldorfer Fotos finden, da ich in einer Facebook Gruppe immer wieder tolle alte Fotos gesehen hatte. Das ich mich dann so in das Thema eingelesen habe, hätte ich vorher nicht erwartet. Es gibt in der Altstadt noch einiges zu entdecken…Neues und Altes ;-). Ich hoffe Ihr habt Spaß beim Lesen des Artikels. Wer sich wie ich intensiver mit dem Thema beschäftigen will findet schöne Bildbände und Bücher zum Thema in der Stadtbücherei Düsseldorf.

Literatur/Quellen:

Für die Recherche habe ich neben Wikipedia und anderen Artikeln aus dem Internet  auch einige Bücher aus der Düsseldorfer Stadtbücherei gelesen.
Besonders gefallen hat mir hierbei das Buch „Steine sprechen – Historischer Wegweiser durch die Düsseldorfer Altstadt“ von Theo Lücker!

Aber auch die anderen Bücher hatten interessante Passagen:

„So lebten sie im alten Düsseldorf“ – Christa-Maria Zimmermann
„Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf“ – Weidenhaupt
„Die Düsseldorfer Altstadt wie sie keiner kennt“ – Theo Lücker
„Die Ratinger Straße“ – Karl Böcker/Addi Hansen
„725 Jahre Düsseldorf“ – Michael Brockerhoff/Christian Herrendorf

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