Tatjana Servais » Fotografin, Fotojournalistin, Fotokünstlerin aus Düsseldorf - Tatjana Servais

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Ratinger Straße Düsseldorf – Teil 2

Heute geht es weiter mit dem 2. Teil über die geschichtsträchtige Ratinger Straße in Düsseldorf. Die Einführung und den ersten Teil findet Ihr hier.

Schlösser Quartier Bohème

Schlüsser Quartier Bohème

Das Schlösser QUartier Bohème

Viele Häuser wurden leider im 2. Weltkrieg zerstört, aber die Namen der Häuser finde ich sehr schön und möchte sie Euch nicht vorenthalten. Es gab z.B. Häuser mit den Namen „Zur goldenen Traube“, „Im roten Laken“, „Zum grünen Wald“ und das „Haus Derendorf“ um einige zu nennen. Was wohl „Im roten Laken“ untergebracht war? Die genannten Häuser standen alle auf dem Grundstück des heutigen Schlösser Quartier Bohème/Henkelsaal. Das Schlösser Quartier Bohème wurde 2009 eröffnet und hat die Partymeile Ratinger Straße definitiv bereichert. Mit dem Henkelsaal kommt noch eine schöne Veranstaltungslocation dazu.

Zum goldenen Einhorn

Zum Goldenen Einhorn 19. JH - Postkarte

Restaurant zum goldenen Einhorn (1895) – Postkarte

Das Haus Ratinger Straße 18 ist ebenfalls seit 1632 unter diesem Namen bekannt.  Das Gebäude wurde 1794 durch französische Truppen zerstört, aber vier Jahre später wieder aufgebaut. Es ist eines der wenigen Häuser, das den 2. Weltkrieg fast unversehrt überstanden hat. Aus einer Gaststätte für die reifere Jugend bis in die 1960er Jahre, von Adele Schmitz der „Jode Seel“ geführt, hat sich das „Einhorn“ bis heute der Umgebung und dem Klientel angepasst. Heute ist das „Einhorn“ eine Kneipe mit Charme für das junge und junggebliebene Publikum.

Zum Goldenen Einhorn

Ohme Jupp

Ohme Jupp auf der Ratinger Strasse

Ohme Jupp auf der Ratinger Strasse (2015)

Woher der Name „Ohme Jupp“ kommt ist schon eine Geschichte für sich. In einem Interview der Rheinischen Post 25.01.2008 erzählt die Enkelin des Ohme Jupp-Wirtes der Name sei darauf zurückzuführen das ihr Großvater 1898 Düsseldorfer Schützenkönig wurde. „Zur Namensgebung der Kneipe weiß die Enkelin zu sagen: „Als er damals geschossen hat, haben alle gerufen. ,Hurra, de Ohme Jupp hat de Vojel abjeschosse. Der Ohm, also der Onkel Joseph.“ Das Haus selbst ist im 2. Weltkrieg zerstört worden und der heutige Bau natürlich kein geschichtsträchtiges Gebäude mehr.

Gasthaus Zur Uel

Das Gasthaus zur Uel (2015)

Die Brauerei „Zur Uel“

Die Uel liegt zwischen Einhorn und Ratinger Hof. Die Geschichte der Brauerei „Zur Uel“ lässt sich bis ins 18. Jh. zurück verfolgen. Der eigentliche Name „En de Uel“ soll sich nicht auf die Eule zurückführen lassen, wenn auch über dem mittleren Fenster der Gaststätte das Abbild einer Eule zu sehen ist. Man vermutet der Name lasse sich auf den großen Krug („Uell“), mit dem der Brauer früher aus dem Keller das Bier zum Ausschenken holen mußte zurückführen.Detail an der Hausfassade "Zur Uel" Aus dem „en de“ also in der Uel wurde „Zur Uel“. Einfache Bürger und bekannte und unbekannte Künstler gingen hier ein und aus. Hier hat auch die Liebesgeschichte in „Effi Briest“ von Theodor Fontane ihre Wurzeln. Sie begründet sich auf den Stammgast Amtsrichter Emil Hartwich, der hier seine große Liebe findet und lieferte den Stoff für die tragische Liebesgeschichte in „Effie Briest“. 1920 wurde in der Uel der älteste Heimatverein Düsseldorfs gegründet – „Alde Düsseldorfer“. Spezialität des Hauses…der „Samtkragen“ – eine Mischung aus Kornbrand und Bonnekamp, die in einem geeisten Pinneken (Schnapsglas) durch gekonntes Einschenken gentrennt sichtbar serviert werden, sich aber mit Erwärmung versmischen. Also schnell weg damit ;-)!

Der Ratinger Hof

1978-05-20 Duesseldorf Ratinger Hof

Der Ratinger Hof 1978

Der Ratinger HofIm 18. Jahrhundert hieß der Ratinger Hof „Kaiserlicher Hof“. Hier gab es schon damals Konzerte und geschlossene Gesellschaften. Später wurden dann Kaffeekränzchen und Tanzveranstaltungen abgehalten. Nicht das was wir heute oder auch in den 60er, 70er, 80er Jahren darunter verstanen haben! Ich erinnere mich aus den 80er Jahren noch an einen einfachen, einstöckigen Bau – ziemlich „versifft“ und „verqualmt“. Als dunkle, relativ kleine Höhle – Club Atmosphäre mit Punk Charme. Von hier aus verbreitete sich die Musikrichtung Punk in die Welt. Nicht nur die Ur-Düsseldorfer „Die Toten Hosen“, die noch heute Ihrer Heimat Düsseldorf die Treue halten, sondern auch der gebürtig aus dem Düsseldorfer Stadtteil Heerdt stammende, Marius Müller-Westernhagen, hatten hier ihre musikalische Heimat. Wer kennt nicht seinen Hit „Mit 18“ (Songtext). „…Mit 18 rannt ich in Düsseldorf rum. War Sänger in ’ner Rock and Roll Band….“ Heute ist der Ratinger Hof eine Club Location.

 Zum schwarzen Horn

Zum Schwarzen Horn (2015)

Zum Schwarzen Horn (2015)

Das schwarze HornDas Haus „Zum Schwarzen Horn“ war bis 1500 das Rathaus der Stadt Düsseldorf. Zwischen 1500 und 1532 wurde das Gebäude an Johann von Berck verkauft. Ein Nachkomme mit demselben Namen war 1577-1578 Bürgermeister (damals: Stadtrentmeister) und wurde angeblich auch Schwarzhorn genannt. Daher soll der Name „Zum schwarzen Horn“ kommen. Am Giebel außerdem noch das Wappen Wilhelm des Reichen. Eine alte Aufnahme von 1890 zum Vergleich habe ich bei Wikimedia gefunden.

Nach dem Beschuss durch die Franzosen wurde das Haus 1794 wieder aufgebaut und beherrbergte eine bekannte Weinwirtschaft – „Dem Schwarzenhorn“. Der Dichter Grabbe soll Anfang des 19. Jh. im Hinterhaus gewohnt haben. Das heutige Gebäude ist entgegen mancher Annahme nicht mehr das originale Rathaus, aber es ist bestätigt das es aus dem Grundriss des alten Rathauses wieder aufgebaut wurde, wenn auch mit anderer Fassade.

Zum Schwarzen Schaf Tafel

Das Palais Spinrath

Fassade Ratinger Strasse 15 in Duesseldorf-Altstadt, von Nordosten

Die erhaltene Fassade des Palais Spinrath

Das Palais Spinrath, von dem heute nur noch die Fassade erhalten ist, wurde von einem venezianischen Architekten (Matteo Alberti) ursprünglich als Teil des Cölestinerinnenkloster gebaut. Matteo Alberti war nicht nur für den Bau dieses Gebäudes verantwortlich. Im Dienste des Kurfürsten war er in Düsseldorf für „die Festungswerke und für Maßnahmen gegen Überschwemmungen des Rheins sowie dadurch entstandene Schäden verantwortlich.“ (Wikipedia: Matteo Alberti)

Im 19. Jahrhundert wurde das Gebäude von Adolph von Vagedes zu einem frühklassizistischen Wohnhaus umgebaut. Adolph von Vagedes war auch maßgeblich am Städtebau Düsseldorfs beteiligt. Nicht nur an der Planung des Ratinger Tors, sondern auch an der Gestaltung der Königsallee, uvm.. Im Palais Spinrath war die Galerie von J.L Spinrath untergebracht, die älteste bekannte Galerie in Düsseldorf. Dort hatten auch die Malerbrüder Oswald (1827-1905) und Andreas Achenbach (1815-1910) ihr Atelier. Heute wird die Fassade in das Neubauvorhaben Andreas Quartier integriert, ein nicht ganz unumstrittenes Neubauprojekt im Herzen des alten Düsseldorf. Hochwertige Eigentumswohnungen direkt im Zentrum der feierfreudigen Düsseldorfer Altstadt? Es gab schon Diskussionen über eventuell kommende Beschwerden von Neu-Eigentumsbesitzern über den Krach von der Ratinger Straße, die Problematik für Bewohner solcher Wohnungen ihre Autos in die Garagen zu bekommen oder ein fehlendes Gastro-Konzept für die Fassaden an der Ratinger Straße. Ich lasse mich überraschen was passiert, aber ich persönlich liebe die alten Gemäuer und die gewachsenen Strukturen der Ratinger Straße und der restlichen Altstadt und hoffe das die Stadtväter sich mehr dafür einsetzen altes zu erhalten.

Das ist immer noch nicht alles was ich zum Thema Ratinger Strasse bzw. zum Beginn unserer Stadt Düsseldorf gefunden habe. Langsam dringe ich zum Kern und zum Anfang Düsseldorfs vor. Weitere Teile sind schon in Arbeit, brauchen aber aufgrund der Recherche-Arbeit sicher noch ein wenig Zeit! Ich hoffe Ihr hattet wieder Spaß beim Lesen. Ich freue mich immer über Lob und Kritik!

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Literatur/Quellen:

Für die Recherche habe ich neben Wikipedia und anderen Artikeln aus dem Internet  auch einige Bücher aus der Düsseldorfer Stadtbücherei gelesen.
Besonders gefallen hat mir hierbei das Buch „Steine sprechen – Historischer Wegweiser durch die Düsseldorfer Altstadt“ von Theo Lücker!

Aber auch die anderen Bücher hatten interessante Passagen:

„So lebten sie im alten Düsseldorf“ – Christa-Maria Zimmermann
„Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf“ – Weidenhaupt
„Die Düsseldorfer Altstadt wie sie keiner kennt“ – Theo Lücker
„Die Ratinger Straße“ – Karl Böcker/Addi Hansen
„725 Jahre Düsseldorf“ – Michael Brockerhoff/Christian Herrendorf

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